Zum Inhalt
Dienstag, 9. Juni 2026

Curevac-Gründer wirft Biontech Täuschung vor

Nach den Schließungsplänen von Curevac macht der Gründer deutliche Vorwürfe gegen Biontech. Er spricht von Täuschung und gibt Einblicke in die Hintergründe.

9. Juni 2026
2 Min. Lesezeit

Die Sonne geht gerade unter und taucht die Straßen von Tübingen in ein warmes, goldenes Licht. In einem Bürogebäude, das einst das Zentrum des innovativen Unternehmens Curevac war, spürt man die Anspannung in der Luft. Mitarbeiter eilen hektisch hin und her, einige haben bereits ihre persönlichen Gegenstände gepackt. Die Stimmung ist gedrückt. Nur wenige Monate nach der Übernahme durch Biontech müssen die Lichter in Curevacs Büros ausgemacht werden. Plötzlich ist die Zukunft des Unternehmens, das einst einen Hoffnungsträger im Kampf gegen COVID-19 darstellte, ungewiss. Die Gründer stehen vor der Entscheidung: Alles, was sie aufgebaut haben, könnte demnächst im Nebel der Geschichte verschwinden.

Der Gründer von Curevac, Ingmar Hoerr, hat mittlerweile den Mut gefunden, seine Unzufriedenheit öffentlich zu äußern. Bei einer Pressekonferenz in einem kleinen, gut beleuchteten Raum, in dem sich Journalisten und Mitarbeiter versammeln, nennt er Biontech einen „Wettbewerber in einem neuen Gewand“. Er zieht eine klare Linie zwischen den ursprünglichen Zielen von Curevac und dem, was mit der Übernahme geschehen ist. „Wir wurden getäuscht“, beharrt er. Er beschreibt, wie er und sein Team an innovative Impfstoffe geglaubt haben, während sie von Biontech in eine Richtung gedrängt wurden, die sie sich so nie gewünscht hatten.

Was steckt dahinter?

Wenn man die Anklagen von Hoerr genauer betrachtet, wird deutlich, dass die Übernahme von Curevac durch Biontech weitreichende Auswirkungen auf die Forschungsrichtung des Unternehmens gehabt hat. Curevac hatte sich traditionell auf die Entwicklung von mRNA-basierten Impfstoffen konzentriert, die mit einem vielversprechenden Ansatz eine breite Palette von Krankheiten bekämpfen sollten. Biontech hingegen hat sich in den letzten Jahren stark auf die COVID-19-Pandemie und die damit verbundenen Impfstrategien konzentriert. „Wir haben die Vision verworfen, um ein profitables Geschäftsmodell zu verfolgen“, sagt Hoerr.

Das bedeutet nicht nur, dass Curevac in seinen ursprünglichen Bestrebungen gehemmt wird, sondern auch, dass viele talentierte Mitarbeiter, die für die Innovation bei Curevac brannten, die Firma verlassen müssen. Die Schließungspläne zeigen, wie stark sich der Markt für Biotechnologie verändert hat und wie wichtig es ist, als Unternehmen flexibel und anpassungsfähig zu bleiben. Hoerrs Vorwürfe werfen daher grundlegende Fragen auf: Wie viel Einfluss hat eine große Firma auf die Entscheidungen eines kleineren Unternehmens nach einer Übernahme? Und: Was bedeutet das für die Innovationskraft in der Branche?

Das Bild, das sich hier abzeichnet, ist nicht nur das einer gescheiterten Übernahme, sondern vielmehr das einer Branche, die vor großen Herausforderungen steht. Hoerrs Empfehlung, als Unternehmer wieder mehr auf Werte und langfristige Visionen zu setzen, könnte als Aufruf verstanden werden, diese Herausforderungen nicht nur zu erkennen, sondern aktiv anzugehen.

In Tübingen, wo einst das Büro von Curevac florierte, gibt es nur noch leise Erinnerungen an die großen Träume. Die Zukunft bleibt ungewiss, und die Schatten der Schließung fallen auf die Straßen der Stadt. Vielleicht wird diese Geschichte eines Tages anders erzählt werden. Für die Betroffenen der Schließung jedoch bleibt nur der Blick zurück und die Frage, was hätte sein können.